Der 20" Dobson
Ein Dobson in der 20"-Kampfklasse gilt als ultimatives Gerät für rein visuelles
Beobachten. Seit Juni 2007 beobachte ich mit einem solchen (gebraucht erstandenen) 20-Zoll
f/4 Gitterrohr Dobson (D=0.5m, f=2m, Bilder des Teleskops siehe ganz unten).
Das Gerät stammt ursprünglich von AOM und verfügt über einen 33mm dicken Hauptspiegel mit 13 kg Gewicht und einem
Strehlwert von 0.96. Ventilatoren unter der offenen 18-Punkt-Spiegelzelle (plus Schlinge) und über
der Spiegelfläche selbst kann man für schnellere Auskühlung und Turbulenzminderung benutzen (ich benutze das aber
praktisch nie). Der Fangspiegel (ohne Heizung, aber isoliert) ist offsetkorrigiert eingebaut und besitzt 100mm Durchmesser
(kurze Achse). Die Kollimation der Optik ist nach dem Aufbau in 5 Minuten per Laserjustierung (2" Laser) sehr
leicht herzustellen. Der Okularauszug ist ein Starlight Feathertouch, der durch sein perfektes
Handling das Beobachten sehr angenehm macht. Der Einblick liegt (jetzt nach Tieferlegung um 5cm) im Zenit auf 2.00m
Höhe, so dass eine kleine Alustandleiter mit 3 Stufen (0.65m Höhe) für alle Objektpositionen am Himmel genügt.
Die mechanische Konstruktion ist handwerklich sehr solide in Birke-Multiplex ausgeführt und relativ
zur heute üblichen Leichtbaumode im Dobsonbau recht massiv. Im Gegenzug ist der Teleskopaufbau allerdings
absolut unverwüstlich und macht keinerlei Probleme beim Schwenken, auch in Extrempositionen.
Das Gewicht der Spiegelbox (inkl. Spiegel + Zelle) beträgt 27 kg und lässt sich von einer Person
gut handhaben (ich trage es regelmässig die Kellertreppe hinauf/hinab :-). Vier Alurohrpaare a 0.8kg in
Standard-Konstruktion (Serrurier) halten den 5kg (5.8kg inkl Blende) schweren Hut mit dem OAZ in Position.
Die Geometrie der mechanischen Konstruktion bewirkt, dass
zusätzliche Drehmomente am Hut (Okulare, Sucher) unter dem Spiegel mit ca 3.5x...4x des Gewichts
kompensiert werden müssen. Früher war dazu ein Akku (2.6kg) und ein Gegengewicht (3.6kg) hinter der
Hauptspiegelzelle notwendig, heute habe ich das durch 50mm Tieferlegung (und den BigFinder an der Spiegelbox s.u.)
jedoch komplett wegoptimiert. Trotz des eher schweren Hutes ist der Gesamttubus heute mit allen Okularen (auch
dem 31er Nagler (900g)) am OAZ perfekt im Gleichgewicht.
Zur Streulichtminderung benutze ich einige Optimierungen, u.a: (i) An der Hinterseite des Spiegels habe ich einen
umlaufenenden Ring angebracht, der verhindert, dass von Hinten Streulicht ins Okular kommt (dies war vorher deutlich sichtbar
bei Schneelage am Boden !). (ii) Ein schwarzes Nylontuch ummantelt die
Gitterrohre. Zu letzterem gibt es immer wieder Diskussionen, ob eine solche 'Socke' denn notwendig sei. Aber mein Argument ist einfach:
ich kann
durch den offenen OAZ den unteren Teil der Gitterrohre sehen, auch natürlich die Spiegelbox. Also müssen diese Teile so dunkel wie
möglich sein, d.h. geschwärzt und gegen äusseren Lichteinfall ummantelt. Manchmal beobachtet man bei hellem Himmel und auch
dann will man Kontrast ! ich denke es macht auch keinen Sinn, einerseits nach den kontrastreichsten Okularen Ausschau zu halten,
dann aber andererseits an solch banalen Dingen zu 'sparen'...
Okulare
Ein f/4 Strahlengang erfordert Okulare relativ hoher Qualität. Gleichzeitig möchte man möglichst grosses Feld, also
Widefield-Okulare (scheinbares Feld >80°, weil f=2000mm schon eine recht hohe Brennweite ist und sonst die wahren
Bildfelder sehr klein werden).
Der hohe Preis solcher Okulare relativiert sich etwas, wenn man bedenkt, dass man sie typischerweise ein Leben lang
benutzt...
Okularset am 20" Dobson:
| f | 31mm | 20mm | 13mm | 9mm | 5mm | 2.5mm |
| AP | 7.8mm | 5.0mm | 3.3mm | 2.3mm | 1.3mm | 0.65mm |
| V | 65x | 100x | 155x | 225x | 400x | 800x |
| Feld | 1.3° 75' | 0.8° 50' | 0.5° 30' | 0.36° 22' | 0.20° 12' | 0.10° 6' |
| Limit | 15.8m | 16.5m | 16.9m | 17.1m | 17.0m | 16.9m |
Okularset am Bigfinder:
| f | 31mm | 20mm | 13mm | 9mm | 5mm | 2.5mm |
| AP | 6.2mm | 4.0mm | 2.6mm | 1.8mm | 1.0mm | 0.5mm |
| V | 24x | 38x | 58x | 83x | 150x | 300x |
| Feld | 3.4° | 2.2° | 1.4° | 1.0° | 0.6° 33' | 0.27° 16' |
| Limit | 13.6m | 14.1m | 14.5m | 14.7m | 14.9m | 14.9m |
(f = Okular-Brennweite, AP = Austrittspupille, V = Vergrösserung)
Die Grenzgrössen (Limit) in Magnituden wurden mithilfe eines
Maglimit Calculators errechnet, mit folgenden (optimistischen) Annahmen + Kenngrössen: fst=6.5mag, B-V=0.63mag (Sonne),
Luftmasse = 1 (Zenitdistanz 0°), Extinktionskoeffizient in V +0.15mag, Seeing 2.5arcsec FWHM, Expert Observer. Eine
Augenpupille von 6.3mm wurde angenommen. Die Grenzgrössen für den Dobson wurden bei Tests überprüft und sind realistisch.
Dobson-ATM
Ich war (nach langem Überlegen) zu bequem, mir selbst einen Dob 'from scratch' zu bauen, deshalb
der Gebrauchtkauf. Daran gibt es nun noch genug zu verbesseren, um meine
ATM-Neigungen (ATM = Amateur Telescope Making) ein bisschen auszuleben. Der grösste Umbau, das Tieferlegen
der Spiegelbox um 50mm (um die Balance zu verbesseren + Zusatzgewichte wegzuoptimieren), ist
mittlerweile abgeschlossen. Ansonsten gibt es folgende Punkte:
Was verbessert wurde:
- 'BigFinder' (Newton 6" f/4.5, OAZ 2") justierbar adaptiert
- Spiegelbox tiefer gelegt um 50mm
- neue Höhenräder adaptiert
- stabile Frontblende gegenüber OAZ
- Schwärzungen an Hut + FS-Halter
- Schwärzung der Vorderfront der Spiegelbox
- umlaufende Blende gegen rückseitigen Lichteintritt hinter dem Hauptspiegel
- Haltestreben entkleidet + geschwärzt
- Batterie-Halterung (als Finder-Gegengewicht)
- Fangspiegel gegen Unterkühlung verkleidet (Taukappe)
- Richtungs-Markierungen für Kollimation am Stern
Was noch zu tun bliebe:
- Irisblende am OAZ zur Streulichtminderung bei hohen Vergrösserungen
- Encoder in Az/Elev + Anschluss an NTB/Guide 8.0
- Satz verkürzte Haltestangen für Fotografie
- Fangspiegelheizung
- 20" Sonnenfilter (ND=5 Baaderfolie)
Der DobDrive
Der DobDrive ist eine echte Erleichterung bei hohen Vergrösserungen,
und ersetzt mir die Äquatorial-Nachführplattform, die manche Kollegen verwenden. Gerade bei
schwierigen Objekten ist es oft essentiell für den Beobachtungserfolg, dass man Nachführung mit der Hand
vergessen kann. Zwar erzeugt das Einkuppeln des Drives etwas Backlash (kl. Ruck zur Seite), aber das
lässt sich mit der Zeit passabel handhaben.
Die rote Controller-Box
steuert je einen Motor an der Elevations- und Azimuttachse an.
Positionierung und auch Tracking lassen sich damit motorisch durchführen (man könnte
sogar per Notebook GOTO-artig positionieren). Im Tracking-Mode
führt das Gerät nach kurzer Einlern-/Einschwing-Zeit der Himmelsdrehung nach - ausreichend
genau um (bei visueller Beobachtung) minutenlang auch bei hoher Vergrösserung (200x und
höher) und ungestört beobachten zu können. Dies ist auch hilfreich, wenn man
Beobachtungsgäste hat, die dann das Objekt lange im im Feld sichtbar behalten,
ohne sich mit der Dobson-typischen Schubserei auskennen zu müssen.
Natürlich sind die
Antriebe auskuppelbar - für grosse Schwenks von Objekt zu Objekt, so dass man hier wieder
das Standard-Handling ('Schubsen') eines normalen, manuellen Dobsons
hat. Letzteres benutze ich auch 90% der Zeit.
Der BigFinder
Die Grobsuche von Objekten geschieht mit einem Telrad-Finder, der allerdings in der Detailsuche nicht
hinreichend ist. Leider ist aber selbst das Feld meines langbrennweitigsten Okulars (31mm) am Dob nur
noch 1.25° gross... Das ist einfach zu wenig für bequemes + wirklich schnelles Aufsuchen. Zu oft
habe ich so viel wertvolle Beobachtungszeit unter tollem Himmel verschwendet...
Deshalb wurde ein 6" f/4.5 Newton mit 2" Helical-Auszug (3kg Gesamtgewicht) an den Dobson (justierbar) adaptiert,
der als BigFinder dient. Dieser reitet in einer sehr flachen, aber doch 3D-justierbaren Halterung auf der Spiegelbox
und wird von einem Klettband dort richtungsstabil (in 2 Aluschienen) fixiert. Die Ausrichtung des BigFinders
ist damit auf 0.5° (1/7 GF Durchmesser) reproduzierbar (ich justiere nie neu). Konstruktionsbedingt
verursacht diese Art der Montage natürlich (leichte) Balance Probleme für den Tubus nahe der Zenitstellung. Dies wird
jedoch durch die Montage des DobDrive-Akkus (2.6kg + kl. Gewicht) auf der Gegenseite der Spiegelbox perfekt + sehr
zweckdienlich kompensiert. Ausserhalb der Zenitstellung macht der Bigfinder praktisch keine Drehmomente, weil sein
Schwerpunkt (Okular im OAZ balanciert das Spiegelgewicht am Tubusende) praktisch auf einer Linie mit dem
Dob-Schwerpunkt liegt. Konstruktiv wichtig war mir, dass Einblick und Ausrichtung von BigFinder + Dob parallel
sind. Dadurch tritt zwischen Sucher + Dob keinerlei irritierende Bildfelddrehung auf, nur die Vergösserung im Dob ist höher. Das
erleichtert + beschleunigt das Aufsuchen wirklich um Grössenordnungen !
Mit dem feldstecher-artig grossen
Feld von 3.4° (f=31mm Okular) im BigFinder wird das Aufsuchen der Objekte sehr einfach. Die erste Peilung
geschieht meist per Telrad, dann geht es zum Sucher.
Hier drehe ich meine Aufsuchkarte (Guide 8, Orientierung AltAz + kopfstehend) auf die gleiche Orientierung wie im Sucher sichtbar.
Das Starhopping ist dann wirklich sehr einfach, da man überhaupt nicht mehr umdenken muss. Viele Objekte sind
beim Aufsuchen schon im Sucherfeld sichtbar und es können recht schwache Leitsterne zur Suche benutzt werden
(>13mag Grenzgrösse im BigFinder). Weil der Suchereinblick identisch
zum Hauptinstrument (zur Seite) ist, haben Sucher- und Dob-Feld immer genau die gleiche Orientierung und
der Suchereinblick ist in allen Positionen (am Boden kniend) bequem zu erreichen. Auch ist es generell sehr
interessant und angenehm, die Objekte auch mit 1/3 der Vergrösserung sehen zu können und in dem
gigantischen Feld - die West + Ost-Hälften des Cirrus sind in einem Feld zu sehen ! Auch beim
Demonstrieren von Objekten für andere Beobachter oder Gäste ist der BigFinder sehr hilfreich, weil 2 Personen
gleichzeitig das betreffende Objekt sehen können.
Kurz, der BigFinder macht sehr viel Spass - absolut empfehlenswert !
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Warum visuelles Beobachten ?
Fertige Digitalbilder aus dem Internet und natürlich selbstgemachte haben ohne Zweifel ihren
Reiz. Ausserdem sind sie farbig. Warum also dann noch visuelles Beobachten ?
Zunächst einmal visuelles Beobachten ist 'live', und also ein 'Erlebnis'. Es ist durchaus
ein erhebender Moment, wenn man z.B. einen Quasar in 3 Mrd Lichtjahren Entfernung im Okular hat
und sich beim Betrachten klar macht, wie lange die Photonen auf der Reise waren,
welche Zeiten und welche Räume sie durchflogen haben - und auch: was ein Quasar
denn überhaupt ist, und welch gewaltigem Phänomen ich hier 'live' zusehen kann.
Visuelles Beobachten liefert so den einfach nicht ersetzbaren Kontakt mit dem Objekt.
Man kann auch Grösse, Lichtstärke und Umgebung viel besser einschätzen und ermessen,
man stolpert über andere Objekte, hat weitere Beobachtungsideen und merkt sich etwas
für die nächste Nacht vor. Auch erlebt man den Himmel, die umgebende Natur, die Nacht und
ihre Objekte - als ganzheitliches Naturereignis. Ich stehe als Mensch hier und jetzt mitten in einem
riesigen Universum,
und eben nicht bloss 'nachts auf der Wiese...'. Wer denkt, das Foto einer Party und die
Anwesenheit auf der Party selbst seien identisch, irrt eben ziemlich offensichtlich...
Ein 20" Dob liefert grob 10000x soviel Licht in die Pupille wie das menschliche
Auge alleine empfängt. Farbsehen gibt es bei einem solchen Teleskop (praktisch) immer noch nicht
(das bleibt weitgehend dem Fotografieren vorbehalten), aber dennoch: die Details die
an Galaxien, Gasnebeln und Sternhaufen zu erkennen sind, sind schon annähernd so aufregend
wie auf (kurzbelichteten) Fotos zu erkennen. Und wer einmal Grossobjekte durch ein solches
Gerät beobachtet hat, wird feststellen, dass ein Foto diesen Anblick nie ersetzen kann.
Visuelles Sehen ist anders !
Vorbereitung + Beobachtung
Spontanbeobachtungen gibt es immer, aber im allgemeinen betreibe ich einige Beobachtungs-Vorbereitung. Dies
allerdings nicht auf eine spezielle Nacht sondern allgemein: ich sammle kontinuierlich potentielle Beobachtungs-Objekte -
d.h. ich mache mir Notizen (Notes) aus Postings in Webforen, Beobachtungsberichten von Kollegen, aus Büchern oder aus Papers
und Zeitschriften, die ich lese. Natürlich achte ich auch auf plötzlich auftretende Ereignisse wie Kometen oder Supernovae.
Die Notes mache ich grundsätzlich 'elektrisch' also auf dem Computer. Ich schaue sie dann regelmässig durch,
und reichere sie an: d.h. suche die Koordinaten + Daten des Objekts raus und lade ein DSS-Bild aus dem Internet herunter,
das ich eindeutig (Objekt + Feldgrösse) benenne und abspeichere. Ich habe mir ein Java-Programm (AXR) geschrieben, um aus diesen
'angereicherten Notizen' (die einem speziellen Format gehorchen) direkt eine in normalem HTML geschriebene Webseite für die Beobachtung
zu erzeugen (man kann Webseiten auch auf der lokalen Platte ablegen und dort direkt + jederzeit ansehen ohne Internet + Webserver). Diese sog.
CrossRef enthält dann alle Objekte die ich jemals beobachtet habe (mit Links in die Beobachtungs-Berichte),
als auch die geplanten, neuen im Status TBO = 'to be observed', inklusive aller DSS Bilder. Besonders handlich ist: die CrossRef enthält Links (Objekt-ID), die mir
mein Planetariums-Programm Guide 8.0 punktgenau auf dem jeweiligen Objekt hochfahren (CdC ginge auch). Das alles benutze ich dann nachts beim
Beobachten im Feld auf einem Notebook. D..h. Sucherei in irgendwelchen Unterlagen entfällt komplett,
Papier und lose im (Nacht-) Wind flatternde Zettelsammlungen gibt es nicht (mehr). Ausgedruckte Karten brauche ich (im allgemeinen) nicht, weil
Guide 8.0 alle Karten on-the-fly erzeugen kann (inklusive schnell veränderlicher Phänomene) und alle nötigen Informationen bietet. Zusätzlich habe ich
die runtergeladenen DSS-Bilder (in Guide oder aus der CrossRef).
Guide 8.0 fahre ich - wie auch die CrossRef - auf einem PC-Notebook in Nachtfarben (rot) und mit heruntergeregelter
Bildschirmbeleuchtung.
Wenn nötig (helle Bilder) benutze ich noch eine Rotfolie als Vorsatz. Die Objektsuche starte ich per Telrad (Suchkreise mit 0.5°/2°/4°), meist
auf einem helleren Stern in der Nähe. Dann wechsele ich auf den 6" Bigfinder mit 3.4° Feld (31mm Okular, AP=6.2mm). Dort verifiziere ich erstmal,
dass Orientierung im Sucher und auf der Karte in Guide übereinstimmern (Guide-Feld per Software drehen) - die Drehwinkel sind i.a. gering, weil
Guide im Modus 'AltAz' (Zenit oben) und 'Karte kopfstehend' gefahren wird. Sobald ich das Objekt identifiziert habe oder ich nahe
genug dran bin, wechsle ich auf den 20" Dob mit 0.8° Feld (20mm Okular, AP=5mm). Normalerweise sehe ich das Objekt schon im Sucher,
spätestens aber im Dob (ausser bei schweren XL-Level Objekten). Guide hat vorgegebene Kartenstufen (Feldgrösse), die an meine
Okular-Feldgrössen angepasst sind. Ich weiss also welche Kartenstufe ich für welches Okular brauche. Ausserdem bleibt die Grösse meines
Sucherfeldes auf der Guide-Karte immer als Kreis markiert (dadurch behalte ich beim Suchern immer einen visuellen Anhaltspunkt für die Feldgrösse auf der Karte).
Mit dieser Methodik bleibe ich immer orientiert und vergeude keine wertvolle Beobachtungszeit mit Sucherei oder Verwirrung.
Mancher Kollege wird sicher weniger formal vorgehen - auch ich tue das manchmal. Die Zahl guter Nächte ist aber leider - durch vielerlei Umstände - ziemlich
begrenzt, und der Aufwand, den man für DeepSky-Beobachtungen betreiben muss (Packen, Anfahrt, Aufbau, Justage und alles wieder zurück) ist ja
wirklich gigantisch. Nach einigen leidvollen Erfahrungen habe ich deshalb einfach beschlossen:
ich möchte in einer guten Nacht maximal effizient beobachten können und keine Zeit mit Unsinn oder Sucherei vergeuden.
Das ist der Grund warum ich i.a. einigermassen gut vorbereitet bin und Instrumentarium, Software + Webseiten entsprechend zweckdienlich getunt halte.
Letzter Schritt ist, Beobachtungsberichte (BB) zu schreiben. Hier kann ich
selber die nächtlichen Beobachtungen nochmal nachvollziehen, und beim Lesen von Papers zum jeweiligen Thema lerne ich immer wieder etwas dazu.
Dabei bin ich eher an der Physik des Objekts interessiert als daran, nachts am Teleskop das allerletze aus dem Teleskop (und meinen Augen)
herauszuholen oder Rekorde zu vermelden. Die BBs werden von der CrossRef zu den Objekten (und relevanten Papers + Internetquellen) verlinkt - ich hoffe das hilft interessierten Kollegen beim
Nachbeobachten oder auch Nachlesen interessanter Zusammenhänge. Dann werden die BBs natürlich in Webforen veröffentlicht und diskutiert, was oft
völlig neue Aspekte oder Zusammenhänge zutage fördert - vor allem aber bringt das...
...Anregungen für neue Beobachtungen ! :-)
Muss man einen 20" Dob haben ?
Ich würde - nach Vergleichen mit meinem 8" Newton oder einem C11 sagen: NEIN !
Denn ein guter, dunkler Himmel macht ungleich viel mehr aus als der Umstieg selbst
von etwa 10" nach 20" !!! (Ich weiss die eingefleischten BigDobsonianer werden jetzt nach dem
Scheiterhaufen rufen :-).
Wenn man allerdings einen 10" und einen 20" BigDob unter den
gleichen 6.5mag Himmel bringen kann, dann MUSS man natürlich den BigDob haben, denn:
- wie schon David Kriege in seinem 'The Dobsonian Telescope' sagt - 'This is the life!'
Und nebenbei bemerkt: Sicher ist es noch schöner einen 22" zu haben, einen 24" gar, aber irgendwie
sind das von 20" ausgehend keine wirklichen Quantensprünge mehr (entspricht dem
Sprung von 10" nach 11" oder 12", naja...). Also: ein Teleskop in der 20"-Klasse ist in diesem
Sinne dann doch ziemlich ultimativ - soll heisssen: man braucht kaum etwas grösseres.
Wollte man deutlich mehr sehen, bräuchte man schon einen 40"er ! - aber, ist der wirklich noch
handhabbar ? So ist es irgendwie dann doch beruhigend, dass der Logarithmus (Magnituden)
eine echt langsam wachsende Funktion ist... :-)
Habe ich gesagt, dass ich (dennoch !) immer wieder über einen 30" nachdenke... :-)
Teleskopleistung relativ zum 20" Dobson:
| D | Dx | Fx | Δmag | Aufl. ["] |
| Auge 7mm | 1/ 71 | 1/ 5100 | -9.3 | 33 |
| 2" | 1/ 10 | 1/ 100 | -5.0 | 2.3 |
| 4" | 1/ 5 | 1/ 25 | -3.5 | 1.2 |
| 6" | 1/ 3.3 | 1/ 11 | -2.6 | 0.76 |
| 8" | 1/ 2.5 | 1/ 6.25 | -2.0 | 0.58 |
| 10" | 1/ 2 | 1/ 4 | -1.5 | 0.46 |
| 12" | 1/ 1.6 | 1/ 2.7 | -1.1 | 0.38 |
| 14" | 1/ √2 | 1/ 2 | -0.75 | 0.33 |
| 16" | 1/ 1.25 | 1/ 1.6 | -0.48 | 0.28 |
| Dobson 20" |
1 |
1 |
0 |
0.23 |
| 22" | 1.1 | 1.21 | +0.20 | 0.21 |
| 24" | 1.2 | 1.44 | +0.40 | 0.19 |
| 30" | 1.5 | 2.25 | +0.88 | 0.15 |
| 40" | 2.0 | 4.00 | +1.50 | 0.12 |
(D = Durchmesser in Zoll, Dx = Durchmesser-Faktor, Fx = Flächen/Fluss-Faktor,
Δmag = Grenzgrössen-Unterschied in mag, Aufl. = theoret. Dawes-Auflösung in arcsec)
Was kann man sehen ?
Das kann man in meinen
visuellen Beobachtungsberichten
ausführlich lesen. Natürlich ist und bleibt eine möglichst geringe Himmelshelligkeit der
bestimmende Faktor für die Beobachtung - auch für einen 20" Dob ! Bei guten Verhältnissen (> 6mag fst) sieht man aber
z.T. fantastische Einzelheiten:
- viele Objekte jetzt erst (fast) so deutlich wie auf Fotos
- deutlich mehr Struktur auf den Planeten
- feinste Einzelheiten auf der Mondoberfläche
- Details auf der Sonne
(noch nicht probiert, muss aber klasse sein, was ich so am Mond gesehen habe)
- fantastische Details in Emissionsnebeln, SNRs und PNs (m. Linienfilter)
- Kugelsternhaufen 'foto-like' und tief in Einzelsterne aufgelöst
- Offene Sternhaufen mit deutlich mehr schwächeren Einzelsternen
- deutlichere Dunkelnebel in der Milchstrasse (wegen des Mehr an sichtbaren Sternen)
- Galaxien mit Spiralarmen und Details darin
- Sternhaufen und HII-Gebiete in nahen Galaxien
- Galaxien im Bereich bis 17 Magnituden scheinbare Helligkeit (himmelsabhängig) und damit auch Gruppen + Cluster. Letztlich damit auch die kosmologische 'Large-Scale Structure'.
- Gesichtsfelder mit 20+ Galaxien darin, Galaxienhaufen + Gruppen (Abell, Hickson, etc)
- viele Quasare in kosmologischen Entfernungen
uvm.
Yes, this is the life ! :-)
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